1. September 1870. - 87 Freiwillige hatten sich zusammengefunden und einen Beschluss gefasst, nämlich die Feuerbekämpfung selbst und gemeinsam in die Hand zu nehmen. 3 Jahre zuvor hatte der Gemeinderat noch in einer glatten Fehleinschätzung geglaubt, in Ybbs gäbe es zu wenig „geeignete Freiwillige“ und der Bürgermeister auf die seit 1861 bestehende und vom Gemeinderat namentlich „gewählte“ Stadtfeuerwehr verwiesen.

Ybbs hatte also eine der ältesten Feuerwehren des Landes!

Die Stadt befand sich nach dem verheerenden Stadtbrand von 1868 im Schockzustand, denn nicht nur, dass Ybbs an einem einzigen Nachmittag in Schutt und Asche sank, hatte die besoldete „Amts-Feuerwehr“ die Brandkatastrophe weder verhindern noch wirksam bekämpfen können. Aber es eröffneten sich mit dem neuen Feuerwehrgesetz von 1870 neue Perspektiven: Freiwillige Feuerwehren!

Und die Ybbser reagierten rasch und gründeten die „Freiwillige Feuerwehr in Ybbs“ um  „bei einem Schadenfeuer in der Stadt in den Vorstädten oder in der nächsten Umgebung des bestimmten Rayons nach allen Kräften Hilfe zu leisten u. insbesondere den Rettungs- und Spritzendienst mit Entschlossenheit und Ausdauer zu versehen.“

In der Realität war der Start außerordentlich schwierig, die Löschgeräte der Gemeinde waren durch den Brand nämlich weitgehend zerstört und das Requisiten-Depot war mit dem angrenzenden Linzertor abgebrannt.

Für die „Aufrüstung der Ausrüstung“ war dringend Geld erforderlich. Dafür boten sich neben dem Spendensammeln vor allem Veranstaltungen an. So wurde bereits im ersten Jahr die Abhaltung eines Balles beschlossen. Der Feuerwehrball war viele Jahre hindurch zur Hauptattraktion des Ybbser Fasching. Abgelöst wurde er von den legendären Leopoldifeiern mit Fasslrutsch`n in der Stadthalle und schließlich von den Feuerwehrfesten mit Disco im Feuerwehrhaus – denn der Geldbedarf blieb ständiger Begleiter!

Die Freiwillige Feuerwehr war in der Stadt angekommen und ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Sie wurde von angesehenen Ybbser Bürgern kommandiert. 

Wie stabil und fest verankert die Feuerwehr in der Stadt ist, kann man daran ablesen, dass es seit der Gründung vor 150 Jahren insgesamt nur 10 Hauptmänner bzw. Kommandanten gegeben hat! Davon war Ignaz Eberstaller am längsten Hauptmann, – 40 Jahre und 5 Monate! Durch äußerst unruhige Zeiten hat Hans Steiner die Ybbser Wehr geführt: während des austrofaschistischen Ständestaates, in der nationalsozialistischen Diktatur als Polizeitruppe des Deutschen Reiches, in der russischen Besatzungszeit und schließlich im Wiederaufbau der demokratischen Zweiten Republik.

Der Einstieg in die Mechanisierung der Feuerwehr erfolgte mit leistungsfähigen Handkraft-Feuerspritzen – bald für einen höheren und gleichmäßigen Druck mit einem Windkessel ausgestattet: einem Hydrophor. Einen großen Fortschritt brachte 1895 die Dampfspritze, die auch lange Löscheinsätze möglich machte. Eine spektakuläre Neuerung war die Nürnberger Balanceleiter mit einer Steighöhe von 22 Metern! Größere Beweglichkeit und eine Steigerung der Spritzleistung brachte dann die Anschaffung einer tragbaren Motorspritze. Der Transport erfolgte allerdings noch immer mit Vorspann von Pferden oder Privatautos bis zum ersten Feuerwehrauto, einem LKW von Austro-Fiat im Jahre 1922 , der zehn Jahre später durch den damaligen „Star“ unter den Rüstwagen, den berühmten „Opel-Perl“ ersetzt wurde. Nach den Wiederaufbau- und Nachkriegsjahren begann dann die Ausrüstung mit Spezialgeräten und Spezialfahrzeugen: Ybbs hatte das erste Tanklöschfahrzeug im Bezirk! Und vom Landesfeuerwehrverband gab es Anerkennung nicht nur durch die Zuteilung von Spezialfahrzeugen, sondern auch durch die verantwortungsvolle Betrauung mit Bezirks- und Landesbewerben.

Die Aufgabenstellung für die Feuerwehr hat sich seit ihren Anfängen deutlich geändert, vor allem erweitert:

Infolge der exponierten Lage an der Donau richtete die Ybbser Feuerwehr schon 1879 einen Wasserdienst ein und die 1907 daraus entstandene Wasserwehr hatte sich durch hohe Kompetenz und Schlagkraft über die Jahre hinweg zu einer erfolgreichen Herzeigeeinrichtung entwickelt. Heute stehen speziell für den Rettungs- und Bergedienst der Feuerwehr konstruierte Arbeitsboote bereit.

1879   Riege “Wasser”
1893   Zillenabteilung
1907   Wasserwehr
1962   Sturmboot
1976   Arbeitsboot
1996   Bootssteg im Winterhafen
2005   Arbeitsboot

Die Super-Hochwässer von 1954 mit dem legendären Foto mit Bundeskanzler Julius Raab am Ruder der Ybbser Feuerwehrzille – er war schließlich Pionieroberleutnant im ersten Weltkrieg – und von 2002 verbinden die Ybbser Bevölkerung mit Hilfe in höchster Not durch die Feuerwehr. Mittlerweile schützt die Stadt gegen Überschwemmungen durch Ybbs und Donau ein Hochwasserschutz, der mobile Teil wird im Ernstfall von der Feuerwehr aufgebaut und kontrolliert.

Die größte Herausforderung bilden aber zweifellos die Technischen Einsätze! Zum ersten Mal ist die Ybbser Feuerwehr am 19. Dezember 1934 um halb zwei Uhr früh zu einem Verkehrsunfall bei Neumarkt ausgerückt. Bis 1970 waren es insgesamt 7 Einsätze. Heute handelt es sich beim Großteil der Feuerwehreinsätze um technische Hilfeleistungen bei Unfällen, vor allem auf der Autobahn, 49 Einsätze im Jahr 2019.

Feuerlöschrequisitendepositorium beim Burgtor 
Das Feuerlöschrequisitendepositorium für die alte Stadtfeuerwehr befand sich „bei dem Burgthore“. Es wurde vermutlich bereits im Zusammenhang mit der Feuerordnung Josephs II. aus dem Jahre 1782 für die Unterbringung der vorgeschriebenen Löschgeräte errichtet. Beim Stadtbrand im Juni 1868 war es zusammen mit dem Burgtor (Linzertor) zur Gänze abgebrannt.

Steigerhaus in Angern 1872-1890 
Vier Jahre nach dem Stadtbrand,1872, wurde von der neuen Freiwilligen Feuerwehr um 80 Gulden und mit dem Bauholz der Gemeinde in der Vorstadt Angern beim Städtischen Zeugstadel ein „Steigerhaus“ für Leiter- und Löschübungen errichtet.

Gerätehaus am Burgplatz 1868
Noch 1868, also unmittelbar nach dem Stadtbrand, wurde von der Gemeinde auf der Brandstätte des Requisitendepositoriums mit dem Neubau eines feuersicheren, gemauerten Gerätehauses begonnen, das in den ersten 20 Jahren auch noch traditionell als „Requisitenhaus“ bezeichnet wurde. 1890 erhielt infolge des Wegfalles des hölzernen Steigerhauses samt seinem Turm nun das Gerätehaus am Burgplatz als Anbau einen Schlauchturm mit markantem Haubendach. 1899 wurde das elektrische Licht eingeleitet, wobei die Gebrüder Wüster die Stromkosten „für immerwährende Zeiten“ (!) übernahmen, und 1930 eine elektrische Sirene an der Turmspitze installiert. Das Gerätehaus zierten zwei heraldische Medaillons mit den Insignien der Feuerwehr und der Aufschrift „Freiwillige Stadt Feuerwehr“. 

1960 – zum 90. Gründungsfest – wurde umgebaut und modernisiert: Ein Schulungs- und ein Geräteraum wurden eingerichtet, eine leistungsfähige Funkantenne aufgesetzt und für das neue Tanklöschfahrzeug die Tore vergrößert. Die Fassade erhielt ein Sgraffito mit dem Schutzpatron der Feuerwehren, dem heiligen Florian und eine neue Aufschrift: „Freiwillige Feuerwehr der Stadt Ybbs“.

Neues Feuerwehrhaus an der Bahnhofstraße 1990
Die Beengtheit am Burgplatz erforderte immer dringender ein den Anforderungen einer Stadtfeuerwehr entsprechendes Feuerwehrgebäude, entweder einen Anbau oder noch besser einen Neubau. Insgesamt wurden zwölf Varianten geprüft. Sie alle hätten aber nur bedingt mehr Platz geboten. Schließlich entdeckte Karl Amstler einen geradezu idealen Standort. Die Pflanzbeete „auf der Gaiten“ an der Bahnhofstraße. Die Stadtgemeinde mit Bürgermeister August Riess war zu einem Neubau bereit, und der damalige Feuerwehrkommandant Alois Geyrecker sah darin seine (Feuerwehr-)Lebensaufgabe. Der Baugrund war eine großzügige Spende der Ybbser Geschäftsfrau Hermine Pecksteiner. Ein erster Entwurf des Ybbser Bauunternehmens Pöchhacker belief sich auf 15 Mio. Schilling. Ein alternativer Entwurf wurde von der Altstadtsanierungsgesellschaft unter dem martialischen Namen „Schlachtschiff“ erstellt. Der Einreichplan stammte schließlich von Ing. Franz Csecsinvics von der Amstettener Wohn- und Siedlungsgenossenschaft. Als Generalunternehmer ging aus dem Bieterverfahren das Scheibbser Bauunternehmen Traunfellner als Billigstbieter hervor. Mit dem Dachstuhl kam dann aber doch noch eine Ybbser Firma zum Zug, nämlich Ing. Josef Pöchhacker. Die feierliche Grundsteinlegung fand im September 1988 statt. Der 10. Juni 1990 war ein großer Tag für die Stadt: Zum 120-jährigen Bestandsjubiläum konnte die Freiwillige Feuerwehr Ybbs an der Donau in ihr neues Haus einziehen.





 

Archivteam Ybbs, Dr. Walter Labuda